Das Fidelislied
Zur Geschichte des "Liedes zum Heiligen Fidelis von Sigmaringen"
Text
Der Text des alten Fidelislieds „Nun lasst ein Lied erklingen“ stammt von Ferdinand della Scala (1866-1906), einem Priester der Norditalienischen Kapuzinerprovinz.
Er stammte aus einer altadligen Bozener Familie und war früh verwaist. 1883 trat er in Klausen in den Kapuzinerorden ein und absolvierte ein philosophisches und theologisches Studium in Klöstern der Nordtiroler Ordensprovinz. 1888 wurde er zum Priester geweiht und kam 1891 als Seelsorger ins Kapuzinerkloster nach Feldkirch. Er war ein glühender Verehrer des Heiligen Fidelis und verfasste eine Biographie über den Heiligen, die er nach vier Jahren abschließen und 1896, zum 150-jährigen Jubiläum der Heiligsprechung vom Heiligen Fidelis in Mainz, veröffentlichen konnte.
Darüber hinaus war er auch unter seinem Pseudonym Ferdinand von Merthieven als Schriftsteller tätig und verfasste 1897 ein Drama über das Leben des Heiligen Fidelis.
1906 verstarb er in Innsbruck.
Melodie
Die Melodie des „Sigmaringer Fidelisliedes“ stammt von Wunibald Briem und ist erstmals im Brixener Diözesangesangbuch von 1905, das Briem als Stadtpfarrorganist von Feldkirch herausgegeben hat, im Verlag Felizian Rauch in Innsbruck erschienen.
Sie steht in F-Dur und im 4/4 Takt und beginnt mit einem Viertel Auftakt. Charakteristisch ist der Sextsprung mit folgendem d-Moll Dreiklang zu Beginn der Melodie. Die Anweisung „Mit Kraft und Feuer“ in dieser ersten Druckfassung weist auf den hymnischen, marschähnlichen Charakter der Melodie hin.
Komponist
Der Musiklehrer, Komponist, Organist, Chorleiter und Orchesterdirigent Wunibald Briem wurde am 25. August 1841 in Feldkirch geboren. Sein Vater war Sattler und Mesner. Seine Mutter stammte aus einer Bregenzer Weberfamilie.
Wunibald Briem besuchte in Feldkirch die Volksschule und anschließend das Gymnasium. Da seine außergewöhnliche musikalische Begabung aufgefallen war, durfte er nach dem Abschluss des Gymnasiums sieben Jahre bei Josef Gabriel Rheinberger an der Münchner Musikhochschule Klavier, Orgel und Komposition studieren.
Rheinberger, der über ausgezeichnete Kontakte verfügte, war bemüht, seinen Schülern, je nach ihrer Begabung und ihrem Können, geeignete Posten zu verschaffen. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Begabung schlug Rheinberger Wunibald Briem vor, Musikdirektor in Philadelphia zu werden. Briem lehnte nach eingehender Überlegung dieses verlockende Angebot einer internationalen Karriere ab.
Stattdessen entschloss er sich, in seine Heimatstadt Feldkirch zurückzukehren und war dort fünf Jahrzehnte lang Musiklehrer am Gymnasium, Organist der Pfarrkirche St. Nikolaus, Pianist, Chorleiter und Orchesterleiter.
Darüber hinaus war er Komponist zahlreicher Orgelwerke und arbeitete als Gutachter im Bereich des Orgelbaus. Er betreute Neubauten und Renovierungen von Orgeln z. B. in Rankweil, Mehrerau, Schwarzach und Tosters.
Als Organist der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus in Feldkirch gab er das Brixener Diözesangesangbuch heraus, eine Zusammenstellung der besten Lieder aus verschiedenen deutschen und lateinischen Gesangbüchern des 16., 17. und 18. Jahrhunderts. Briem komponierte auch die Sätze des dazugehörigen Orgelbuchs.
Wunibald Briem schuf geistliche Werke für gemischten Chor sowie für Männer- und Frauenchöre.
Als Musikerzieher komponierte er Werke für Kinderstimmen, so etwa „Der gute Hirte“ für Soli und Chor mit Klavierbegleitung und „Aus der Jugend“ für dreistimmigen Knabenchor, Soli und Deklamation.
Verbreitung
Es scheint, dass eine Verbreitung des Liedes über den Raum Sigmaringen bzw. Feldkirch hinaus nicht stattgefunden hat.
Bearbeitungen
In der Feldkircher Motetten-Sammlung der Edition Feldkirch aus dem Jahr 2000 ist ein vierstimmiger Satz zum Lied des Heiligen Fidelis von Gebhard Wiederin, dem Herausgeber dieser Sammlung, enthalten. Der Komponist überträgt die Melodie anfangs dem Alt, um sie kurz vor Beginn des Refrains an den Sopran abzugeben.
Es findet sich eine Aufnahme des Liedes auf YouTube.



